Was Sie schon immer über Schuhe wissen wollten

Woran erkennen Sie die Qualität eines Schuhs?

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Absatzprotektor zum Schutz Ihrer wertvollen Schuhe auf schlechten Wegen

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Oh, wie günstig!

Vielleicht kennen Sie diese Situation: da stehen Sie vor einem Schaufenster und sehen einen Schuh, den Sie in ganz ähnlicher Form in einem anderen Geschäft für wesentlich weniger Geld gesehen haben. Natürlich kann Ihnen das auch beim Shopping im Internet passieren.

Wir möchten Ihnen auf dieser Seite einige Antworten darauf geben, warum billige Schuhe letztlich nicht 'preiswert' im eigentlichen Sinne sind.

Als erstes Beispiel zeigen wir Ihnen einen Pumps aus Lacksynthetik, der von einem Versandhaus zum Preis von € 30,-- angeboten wurde (siehe Abbildung rechts):
  
Wo dieser Schuh gefertigt wurde, läßt sich leider kaum feststellen. Unserer Vermutung nach dürfte der Schuh in Fernost hergestellt worden sein. Man erkennt auf den ersten Blick, daß es sich um Schuhe am unteren Ende der Qualitätsskala handelt. Das Obermaterial aus minderwertigem Lacksynthetik weist schon beim ersten Knicken bleibende Knickfalten auf. Die Innenausstattung sowie die Sohle bestehen ebenfalls aus synthetischem Material.

Die Details

   Deutlich erkennt man die schief genähte Fersennaht und den unschönen Faltenwurf des Materials (Pfeil A).

Der Absatzfleck besteht aus einem billigen Hartplastik-Spritzgußteil, welches zudem schlecht an die Form des Absatzes angepaßt wurde (Pfeil B).

Auch der Übergang des synthetischen Sohlenmateriales zum Absatz - man kann das auf der nebenstehenden Abbildung gut erkennen - ist unpräzise angepaßt.

Nur ein angegossener Stift hält diesen Absatzfleck am Schuh. Auf unebenem Untergrund kann es leicht passieren, daß sich dieser Absatzfleck verdreht und der Absatz vom Haltestift abgebrochen wird. Der Absatzbezug hat dann keinerlei Schutz mehr und wird - je nach Untergrund - meist nach wenigen Schritten stark beschädigt oder zerstört.

Davon abgesehen nutzen sich diese billigen Hartplastik-Spritzguß-Absatzflecke überproportional schnell ab, so daß ein baldiger, kostspieliger Ersatz vom Schuhmacher erforderlich wird.


Die Innenausstattung

   Die Verarbeitung der Innenausstattung ist ebenfalls unsauber. Das Innenmaterial wurde auf das Obermaterial aufgeklebt und mit einer Naht gesichert. Unschöne Verarbeitung im Kantenbereich mit Klebstoffspuren sind deutlich sichtbar (Abbildung rechts).

Ein kleiner Aufkleber auf der Sohle weist auf die nickelhaltige Metallschnalle hin, die bei Allergikern zu juckenden Hautausschlägen und Hautablösungen führen kann.
  
Wer genau hinschaut, erkennt die Risse im Obermaterial des Riemens an der Schnalle. Durch die aus billigem und scharfkantigem Preßblech hergestellte, etwas zu kleine Schnalle wird der Riemen wahrscheinlich sehr bald reißen.

Fußbett?

Entscheidend für ein elegantes und entspanntes Gehen ist ein gutes Fußbett und ein hochwertig gefertigtes Fersenteil eines Schuhes.

Bei dem gezeigten Billig-Schuh kann man dies nicht erwarten. Hier ist auf die Brandsohle (so nennt man die Zwischensohle zwischen Sohle und Innendecksohle) ein sehr dünnes Schaumstoffplättchen geklebt, welches kaum die Nägel egalisiert, mit denen der Absatz befestigt ist. Auch das Fußgewölbe ist nicht durch eine entsprechende Ausformung des Fußbettes abgestützt. Durch diese mangelhafte Abstützung des Fußes ermüden die Füße bei längerem Gehen sehr schnell. Die Folge sind brennende, schmerzende Füße. Wer grundsätzlich nur solche minderwertigen Schuhe trägt, braucht sich über das Entstehen von Platt-, Senk- und Spreizfüßen nicht zu wundern.
  

Die Innenausstattung besteht zudem aus Synthetikmaterial, welches relativ rutschig ist. Den fehlenden Halt im Schuh gleicht der Körper unbewußt durch eine Anspannung und Krümmung der Zehen aus. Auf Dauer verursacht dies schmerzhafte Veränderungen der überbeanspruchten Zehen (Hammerzehen).

Kurzfristig wird man sich vielleicht darüber wundern, daß man in solchen Schuhen sehr schnell kalte Füße bekommt, weil der normale Fußschweiß durch die feuchtigkeitsundurchlässige Kunststoff-Innensohle nicht entweichen kann.

Das Fersenteil

   Genau so verhält es sich auch beim Fersenteil eines Schuhes. Es soll stabil und dennoch flexibel geschaffen sein.

Denn es sich einerseits der Fersenform anpaßt, auf der anderen Seite aber der Ferse guten Halt im Schuh gibt.

Bei diesem Schuh läßt sich das Fersenteil nahezu widerstandslos zusammendrücken. Die Ferse wird so kaum abgestützt und die Gefahr ist sehr groß, bei einer Unebenheit mit diesem Schuh umzuknicken und sich zu verletzen.

Ist das Fersenteil hingegen sehr hart, wie es auch oft bei billigen Schuhen der Fall ist, dann ist es mit dem Tragekomfort ebenfalls nicht weit her. Die Schuhe drücken und reiben, weil sich das Fersenteil an die Fußform nicht anpasst.

Meist rührt dies daher, daß der innere Aufbau des Fersenteiles aus Pappe hergestellt wurde, die anfangs sehr unflexibel ist, aber durch den Fußschweiß aufweicht und dann ihre Form verliert.


In Form bleiben

Ein aus hochwertigem Material gefertigtes Fersenteil erhält seine Form und Flexibilität durch mit handwerklichem Können zwischen Oberleder und Innenfutter eingearbeitetes, meist textiles High-Tech-Material.

Das Fersenteil paßt sich schnell an die Fußform an, besitzt aber genügend Spannkraft. Man spürt dies, indem man den Schuh am Fersenteil seitlich zusammendrückt.

Mit gewissem Widerstand muß dies gelingen, es dürfen aber keinesfalls bleibende Eindellungen zurückbleiben oder andere Formveränderungen feststellbar werden.

Um die Form des Fersenteiles zu erhalten, sollte man sehr darauf achten, den Schuh nicht völlig zu durchnässen und den Schuh grundsätzlich nach dem Tragen mit Schuhspannern aufzubewahren. Denn auch ein wirklich hochwertiger Schuh wird nachlässige Pflege oder Überbeanspruchung irgendwann übelnehmen.

Sieht der Schuh schon in neuem Zustand oder nach einmaligem Tragen wie rechts abgebildet (pink) aus, dann hat man in diesem Schuh keinen guten Halt. Das Material ist zu unflexibel oder ganz einfach schlecht verarbeitet.

Sie spüren dies deutlich daran, daß sie ohne Widerstand mit der Ferse aus dem Schuh herausschlüpfen können.

Gerade bei einem Pumps ist dies fatal, da der Schuh durch sein Fersenteil am Fuß haften soll. Haftet er dort nicht, so muß er mehr oder weniger mit den Zehen gehalten werden, um beim Gehen nicht vom Fuß zu rutschen.

Dies ist nicht nur unkomfortabel, sondern führt zu schnellem Ermüden der Füße und damit bei längerem Tragen zu schmerzenden, brennenden Beinen.

Falsch konstruierte Fersenteile lassen sich auch mit Schuhspannern kaum dauerhaft in eine optimale Form bringen.
  


Vorsicht, Verletzungsgefahr

Wir möchten Ihnen nun Stiefeletten zeigen, die wir bei einem Schuhdiscounter zum Preis von € 25,-- gekauft haben. Anhand dieser Stiefeletten möchten wir Ihnen zeigen, daß eine billige Machart verletzungsträchtig werden kann:

   Diese Stiefelette ist aus einem rauhlederähnlichen Synthetikobermaterial, textilem Innenmaterial und Synthetiksohle hergestellt.

Bei einem so dünnen und hohen Absatz ist eine sichere Konstruktion der Verbindung zwischen Brandsohle und Absatz von größter Bedeutung, da ein Abrutschen oder falsches Aufsetzen mit dem Absatz dazu führen kann, daß dieser wegbricht.

Bei diesem billig gefertigten Schuh wird die Verbindung zwischen Brandsohle und Absatz mittels einem dünnen Plättchen aus normalem Büchsenblech hergestellt, durch das ein paar kurze Nägel getrieben werden.

Eine Federstahleinlage ist auf die Brandsohle aufgeklebt, hat aber keine feste Verbindung mit der Absatzbefestigung.


Niet- und Nagelfest?

Die Folge dieser billigen Machart ist, daß sich der Absatz schon bei geringer Fehlbelastung von der Brandsohle ablöst, weil die Nagelköpfe aus dem ungehärteten Metallplättchen herausgerissen werden.

Sicher können Sie sich vorstellen, daß bei einem solchen Abbrechen des Absatzes Knochenbrüche, Gelenkverletzungen und Bänderrisse vorprogrammiert sind!

Um sich vor solch gefährlichen Schuhen zu schützen, können Sie vor dem Kauf mit leichtem Nachdruck durch Biegen am Absatz dessen Festigkeit prüfen. Tritt bereits bei geringem Kraftaufwand eine Lockerung des Absatzes auf, dann wissen Sie, woran Sie sind.

Allerdings wissen Sie es selber: mit roher Gewalt läßt sich fast alles zerstören! Mutwillig mit großem Krafteinsatz beschädigte Schuhe erkennt jeder Fachmann und wird von Ihnen selbstverständlich den Ersatz seines Schadens verlangen. Daher: übertreiben Sie Ihre Prüfung nicht!
  


Leder und Chemie

Wir möchten Ihnen nun einen typischen Billig-Stiefel zeigen, den wir bei einem gewerblichen Anbieter einer Internet-Auktionsseite zum Preis von € 75,-- ersteigert haben.

Laut Sohlenaufkleber ist das Obermaterial aus Leder, die Sohle aus synthetischem Material. Das Innenmaterial besteht am Schaft teilweise aus Leder, ansonsten aus billigem Textilmaterial. Die Innendecksohle ist aus glattem Synthetik gefertigt. Da der Stiefel mit der Größe 11 (entspricht in etwa der deutschen Größe 42) gekennzeichnet ist, könnte er in den USA oder zumindest für den amerikanischen Markt gefertigt worden sein.

Daß die Materialkennzeichnung nicht gemäß der Europäischen Schuhkennzeichnungsrichtlinie erfolgt ist und dieser Stiefel so eigentlich gar nicht in Deutschland gewerblich als Neuware verkauft werden dürfte, sei nur am Rande erwähnt.

Interessanter ist die Tatsache, daß es zwischen Leder und Leder gewaltige Unterschiede gibt, die schon beim Auspacken des Stiefels aus der Schachtel auffallen:

Es handelt sich um recht grobporiges, minderwertiges Leder (vermutlich Schweineleder), welches nicht den typischen, feinen Ledergeruch, sondern einen penetranten, chemischen Gestank verbreitet.

Wir möchten lieber nicht wissen, welcher üble Chemikalien-Cocktail für die Gerbung des Leders verwendet wurde.
  
Schuhe aus Fernost oder Übersee bergen manchmal auch noch ein anderes, unerfreuliches Geheimnis.

Da der Versand nach Europa meist per Schiff in Containern erfolgt, werden die Schuhe teilweise mit gewissen Chemikalien behandelt, die ein Schimmeln durch die feuchte Seeluft verhindern. Manchmal werden zum Schutz der Ware die Container samt deren Inhalt mit gesundheitlich bedenklichen Gasen beaufschlagt, die eventuelle Nagetiere oder Insekten abtöten.

Ob dieser Transportschutz oder gesundheitsschädliche Gerbchemikalien bei diesen Stiefeln eingesetzt wurden, wissen wir natürlich nicht. Es bliebe einer chemischen Analyse vorbehalten, hier Klarheit zu schaffen.

Eines wissen wir aber sicher: wir würden einen derartig streng nach Chemikalien riechenden Schuh keinesfalls tragen wollen. Da wäre uns das Risiko allergischer Reaktionen oder Hautreizungen zu hoch.

Man erkennt auf der rechten Abbildung das grobporige Oberleder.
  

Daß der Stiefel eine recht bescheidene Paßform besitzt, wollen wir nur der Vollständigkeit halber anmerken. Für Fetisch-Partys mag dieser Stiefel vielleicht taugen, wenn man vom Chemie-Gestank einmal absieht. Man sieht es dem Stiefel aber schon von Weitem an, daß es sich hier um ein lieblos gefertigtes Billig-Produkt handelt.

Jenseits von Gut und Böse

Ein weiteres Billig-Produkt, diesmal aus türkischer Fertigung, möchten wir Ihnen nicht vorenthalten. Dabei ist der Stiefel noch nicht einmal wirklich billig. Bei einem Verkaufspreis von € 150,-- sollte man einen handwerklich ordentlich gefertigten Stiefel aus Qualitätsleder erwarten.

Leider entpuppt sich dieser Stiefel bei näherer Betrachtung ebenfalls als schlampig gefertigte Billigware. Die Verarbeitung ist so schlecht, daß dieser Stiefel so eigentlich gar nicht in den Handel gelangen dürfte.

Die Übergänge zum Absatzfleck sind extrem ungenau gearbeitet und man sieht am Sohlenleder noch die Farbmarkierungen dessen, der das Sohlenleder zugeschnitten hat. Auch die Verklebung ´zwischen Keilabsatz und Schaft ist sehr unprofessionell durchgeführt worden.

Vermutlich wird sich die Sohle dieses Stiefels sehr bald ablösen. Ein praktisch irreparabler Schaden.

Diese Verarbeitungsmängel sind die Folge von schlecht ausgebildeten Arbeitern, veralteten Fertigungsmaschinen und einer vermutlich gar nicht vorhandenen Qualitätskontrolle der Fertigung.

  


Fazit

Wir haben Ihnen einige Beispiele minderwertiger Schuhe gezeigt. Achten Sie bei Ihrem nächsten Schuhkauf doch einmal darauf, was man Ihnen für Ihr Geld verkaufen will. Ein Qualitätsschuh hat seinen Preis. Das sei unbestritten.
An stinkenden oder schlecht verarbeiteten Schuhen haben Sie aber sicherlich nicht lange Freude. Unser Rat an Sie kann daher nur lauten: leisten Sie sich lieber seltener einmal einen wirklichen Qualitätsschuh, als jede Woche ein neues Paar Billigtreter. Ihre Füße werden Ihnen dafür dankbar sein.
Auch sehen es viele Menschen auf den ersten Blick, wenn Sie hochwertige Schuhe tragen. Ein billiger, schlecht gefertigter Schuh zu ansonsten hochwertiger Kleidung wirkt einfach nur peinlich und 'entwertet' Ihre übrige Garderobe.
  

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